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Zeit.
Die rauhen Stimmen der mats sind nicht mehr zu hören, die entsetzten Rufe der Magd auf der
Flucht vor den französischen Offizieren längst verhallt; unter dem Dach wird
kein Bindenfleisch mehr getrocknet, und kalt bleibt der Backofen, in dem einst
das Roggenbrot für die Gäste der Chasa
Chalavaina gebacken worden war. An den Wänden hängen heute neben Porträts
aus dem 19. Jahrhundert Bilder von Sol Le Witt und Richard Nonas, elektrisches
Licht hat die Kerzenleuchter abgelöst, aus dem Dach ragt eine Antenne, und an
den Fenstern der Gaststube wälzt sich der Autoverkehr vorbei.
Die Zeit ist nicht stehengeblieben, weder draussen noch
im Calven-Haus. Das Gebäude hat sich im Laufe der Zeit verändert, gehäutet,
Metamorphosen durchgemacht, und am Ende des 20. Jahrhunderts präsentiert es
sich nun als Bau mit Tradition, der die heutige Zeit nicht verleugnet. Die
Familie Fasser hat den — untauglichen
— Versuch
nicht unternommen, die Chasa Chalavaina in
ein Museum zu verwandeln und die Gegenwart als scheinbar reale Vergangenheit
darzustellen. Mit seiner über tausendjährigen Geschichte bedarf das Haus auch
keiner aufgesetzten Reminiszenz an früher: Die Mauern und Balken haben die
Lebenszeichen zahlloser Generationen aufgenommen, sie sind voll davon. Nun
strahlen sie aus, was sie gespeichert haben, wie der Kachelofen die Wärme des
verbrannten Holzes.
Unsichtbar, aber spürbar.
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